update:theologie

Für wen?
  • Ordensleute und Mitglieder Geistlicher Gemeinschaften, die das Evangelium auch in einer nachchristlichen Zeit leben wollen
  • Mitarbeiter*innen im pastoralen und caritativen Dienst (Laien, Diakone, Priester), die sich für eine Kirche auf der Höhe der Zeit einsetzen
  • Religions- und Ethiklehrer*innen, die neugierig auf spannende Innovationen sind
  • Theolog*innen, die ihr fachliches Knowhow updaten wollen
  • Menschen, die ihre Spiritualität vertiefen und reflektieren möchten.
Voraussetzungen

Voraussetzung sind Studienerfahrungen, Erfahrungen in der Pastoral oder im Bereich Spiritualität.

Mit einem entsprechenden Leistungsnachweis können die Teilnehmer:innen ein Hochschulzertifikat erwerben.

Wie funktioniert das?

Im Rahmen des Angebots „update:theologie“ können Werkwochen aus dem Programm „Theologisches Studienjahr Berlin“ belegt werden. Jede Werkwoche dauert drei Tage (Mi-Fr) und behandelt thematische Schwerpunkte des Campus für Theologie und Spiritualität. In Begegnungen, zum Beispiel mit Politiker:innen, sozial-caritativ Arbeitenden und Kulturschaffenden arbeiten die Teilnehmenden und Dozierenden am Update einer Theologie der Spiritualität in (post-)säkularen und urbanen Kontexten.  

Jede Werkwoche wird zu einem Teil im Winter- und zu einem Teil im Sommersemester angeboten. Die Inhalte der jeweiligen Teile sind unterschiedlich, so dass alle Teile auch einzeln belegt werden können.

Es können unterschiedlich viele Werkwochen in beliebiger Kombination belegt werden. Die erste thematische Einheit beginnt am Mittwoch um 9.00 Uhr. Die Werkwoche endet am Freitag um 16.00 Uhr.

Kosten

250 € Gasthörerbeitrag pro Werkwoche (Mi. 9.00 Uhr – Fr. 16.00), inklusive Teilnahme an Ringvorlesung (Dienstagabend)

Wo wohne ich in Berlin?

Anreise, Unterkunft und Verpflegung organisieren die Teilnehmenden in Eigenverantwortung.  

Gerne helfen wir bei der Vermittlung von Unterkünften.

Teilnahme

Jeder Werkwochenteil dauert 3 Tage (Mittwoch-Sonntag) und wird zweimal angeboten: Einmal im Wintersemester (Oktober – Januar) und einmal in der Zeit des Sommesmesters (April – Juli). Die Inhalte der jeweiligen Werkwochenteile sind unterschiedlich. Es kann also nur einer oder auch beide Teile belegt werden. 

Fragen richten Sie bitte an fghqvrawnue@pgf-oreyva.bet.

Anmeldefristen

Werkwochen im Wintersemester (Teil 1): 04. September 2022

Werkwochen im Sommersemester (Teil 2): 19. März 2023

Anmeldeadressen und Angaben

Bitte melden Sie sich an unter: fghqvrawnue@pgf-oreyva.bet, mit folgenden Angaben:

  • Werkwoche(n) (Angaben Teil 1 und/oder Teil 2)
  • Angaben zur Person: Name, Geburtsdatum, Adresse, E-Mail, Telefonnummer
  • aktuelle Tätigkeit
  • bisherige Studienerfahrung
  • optional: Motivation zur Teilnahme an den Werkwochen
Woche 1: Berlin, no place for faith? Spiritualität und Säkularität in urbaner Spätmoderne

Teil 1: 19.–21.10.2022
Teil 2: 19.–21.04.2023

Über Jahrtausende hinweg stand Gott im Mittelpunkt der symbolischen Ordnung der Dinge, die spätestens mit der Aufklärung zusammengebrochen ist. In Folge der leer gewordenen Mitte hat Nietzsche den Tod Gottes und Foucault den des Subjekts festgestellt.

Vor diesem Hintergrund thematisiert die Werkwoche W1 den spätmodernen turn zur Postsäkularität und fragt, wie und wo inmitten der gravierenden Transformationsprozesse religiöse Existenzweisen überhaupt (noch) möglich sind. Vorgestellt und diskutiert werden z.B. philosophische Ansätze eines frommen Atheismus bzw. von Spiritualitäten ohne Gott (B. Latour, J.-L. Nancy). Im kritischen Blick auf verschiedene Deutungen von „Säkularität“ sowie in Exkursionen zu konkreten „Andersorten“ und den dort engagierten Menschen wird das weite Feld urbaner Spiritualitäten erkundet und theologisch reflektiert. Die Stadt Berlin – gleichermaßen säkular wie multireligiös – ist für viele Menschen Ort bedeutsamer (Selbst-) Transzendenzerfahrungen.

Woche 2: Veränderte Maßstäbe? Ethik und Recht im gesellschaftlichen Wandel

Teil 1 : 26.–28.10.2022
Teil 2: 26.–28.04.2023

Die Megatendenzen der gesellschaftlichen Veränderungen betreffen in vielfältiger Weise unsere zentralen Ideen von gelingendem Zusammenleben (z.B. in Beziehungen und Familienformen). Zudem ist ein Wandel unserer Wertvorstellungen und deren Genesen zu beobachten. In der Folge kommt es zu Änderungen im Recht und in der Rechtsbegründung.  

Die Werkwoche W2 widmet sich Herausforderungen, die sich für Religionen und Kirchen aus den genannten Veränderungen ergeben. Der Einfluss der Kirche als Moralagentur und Rechtsinstitut zur Deutung von Werten und Normen schwindet unübersehbar. Nach innen hin kommt es zu Spannungen zwischen der Ambiguität menschlicher Wirklichkeit auf der einen Seite und den moraltheologischen bzw. sakramentenrechtlichen Vorgaben des kirchlichen Lehramts auf der anderen Seite. Nach außen hin betrachtet stehen manche kirchenrechtlichen Normierungen im Gegensatz zu staatlichen Diskriminierungsverboten. Vor diesen Hintergründen treten in den Werkwochen theologische-kirchenrechtliche Regelungen in einen interdisziplinären Diskurs mit sozialwissenschaftlichen und philosophisch-ethischen Disziplinen.

Woche 3: Auf Kollisionskurs? Theologie trifft Politik

Teil 1: 02.–04.11.2022
Teil 2: 03.–05.05.2023             

Religionen und ihre Theologien sind niemals neutral. Das lehrt die neue Politische Theologie. In Deutschland stehen Religionen und Politik in einen res mixta-Verhältnis zueinander. Die Trennung von Staat und Religionen auf der einen Seite wird auf der anderen Seite ergänzt durch vielfältige Kooperationen. Das Subsidiaritätsprinzip ist dabei Maßstab der Kooperation in vielen gesellschaftlichen Bereichen. In anderen europäischen Ländern sind die Staat–Kirche- bzw. Staat–Religionen-Beziehungen anders strukturiert.

In Anbetracht dieser Situation werden in der Werkwoche W3 die sozialethischen Bedingungen und Maßstäbe des politischen Handelns befragt. Gute Politik folgt Wertüberzeugungen, die ihrerseits gelebten Werten entspringen, die wiederum auf (Glaubens-)Überzeugungen basieren können. Zugleich werden die Gefahren einer politischen Aneignung des Religiösen bspw. durch populistische Bewegungen untersucht.

Die Werkwoche bringt die Teilnehmenden in einen Dialog mit politischen Verantwortungsträger*innen auf verschiedenen Ebenen (Religionspolitische Sprecher*innen der Bundestagsfraktionen, Mitarbeitende der Katholischen Büros u.a.) wie auch mit Vertreter*innen zivilgesellschaftlicher Organisationen. Theologie meets Politik!

Woche 4: Alte Passionen neu gelesen: Quellen der Spiritualität

Teil 1 : 23.–25.11.2022
Teil 2: 24.–26.05.2023

Spiritualität gilt heute als „Megatrend“. Wenn dem so ist, dann stellt sich die Frage, was Menschen suchen, wenn sie Spiritualität suchen? Bei genauem Hinsehen erweist sich „Spiritualität“ als ein Containerbegriff, der nur schwer zu definieren ist. Und trotzdem lassen sich in allen Weltreligionen und in unterschiedlichen Ausdrucksweisen Phänomene ausmachen, die als spirituell bezeichnet werden können.

Im Blick auf die Geschichte verschiedenster Frömmigkeitsformen von der Mystik über Meditation und Gebet bis hin zu postmodernen Ausgestaltungen fragt die Werkwoche W4 in systematisch-theologischer Perspektive nach den spezifischen Kriterien einer christlichen Spiritualität. Dazu erhalten die Studierenden Einblick in die Quellen des Geistlichen Lebens, wie sie in der biblischen Überlieferung und in den theologischen Traditionen – nicht zuletzt der Orden – grundgelegt sind. In Begegnung mit den Spuren historischer Vorbilder sowie Persönlichkeiten, die ihre Spiritualität im öffentlichen Raum lebten und leben, wird die Reflexion auf die eigene Spiritualität und ihre Quellen bereichert. Zur Sprache kommen Spannungen zwischen persönlicher Erfahrung und kirchlicher Institution, zwischen Glaubensüberzeugung und staatlicher Repression (z.B. NS, Kommunismus), zwischen Erfüllung und „Dunkler Nacht“ (Johannes vom Kreuz), zwischen spiritueller Selbstertüchtigung und politischer Relevanz, zwischen Empowerment und geistlichem Missbrauch, zwischen Christologie und Pneumatologie.

Woche 5: Ganz großes Theater: Ritual, Liturgie und Inszenierung

Teil 1 : 30.11.– 02.12.2022
Teil 2: 31.05.–02.06.2023

Im Zuge des iconic turn ist das Sehen in der Spätmoderne zur leitenden Sinneswahrnehmung aufgestiegen. Anthropologisch gesehen entwickelt sich der Mensch vom zoon logon echon zum zoon eikon echon: bildbedürftig und bilderzeugend. Säkulare Liturgien im Fußballstadion, bei Jugendweihen und auf der politischen Bühne greifen diese Entwicklung auf. Wedding-Planer*innen und Beerdigungsredner*innen, Mediendesigner*innen und Eventmanager*innen bearbeiten das Feld professionell, während gleichzeitig ein „Verschwinden der Rituale“ (Byung-Chul Han) zu konstatieren ist.

Die Werkwoche fragt vor diesen Hintergründen nach der Inszenierungskompetenz der Kirchen. Ihre liturgische Praxis erschuf mithilfe von Zeichen, Symbol und Sakrament einst ganz großes Theater. Heute spricht die kirchlich-rituelle Ästhetik jedoch nur noch in Maßen an.

Die Werkwoche W5 sucht ad intra nach angemessenen Formen der pastoral-liturgischen Alphabetisierung spätmoderner Menschen zwischen hochkirchlichem Retrostil und Tendenzen der Selbstbanalisierung; dazu gehören auch anschlussfähige Modelle architektonischer Kultraumgestaltung. Ad extra werden in Zusammenarbeit mit Verantwortlichen im gesellschaftlich-öffentlichem Raum z.B. neue Formen der religionsübergreifenden Gestaltung von Trauerfeiern im Gefolge von Großschadensereignissen (z.B. Terroranschlägen) reflektiert.

Woche 6: Statement oder Propaganda? Verkündigung in nachchristlicher Zeit

Teil 1: 11.–13.01.2023
Teil 2 : 14.–16.06.2023

Der linguistic turn bestimmt die wissenschaftliche und praktische Agenda auf vielen Feldern. Zugleich scheinen die Inhalte der Kommunikation zunehmend mehr Menschen immer weniger zu sagen. Die Botschaft läuft ins Leere. Das gilt auch für das kirchliche und theologische Sprechen, wenn der Kirche diagnostiziert wird, dass sie bloß blutleere Phrasen drischt (Feddersen u. Gessler). Die ambivalente Macht des gesprochenen Wortes soll an historischen Beispielen in Berlin (D. Bonhoeffer, kommunistische Propaganda, u.a.) untersucht werden.

Zu unterscheiden ist das Sprechen über das Thema Religion (z.B. in Theologie, Religionsunterricht, Sakramentenkatechese und Medien) vom religiösen Sprechen, etwa im Gebet. Die Werkwoche W6 thematisiert die „Verkündigung“ als das Kerngeschäft der Kirchen. Neben praktischen Übungen in den Bereichen Rhetorik, Predigt und medialer Kommunikation geht es auch um weiterführende Reflexionen zu einer systematisch wie praktisch basierten Verkündigungstheologie in spätmodernen Gesellschaften. U.a. Werbefachleute und ein Redenschreiber aus dem Politikbetrieb stehen uns als Gesprächspartner zur Verfügung.

Woche 7: Religions matter: Vielfältige Spiritualitäten und ihre heiligen Orte

Teil 1: 18.–20.01.2023
Teil 2: 21.–23.06.2023 

Berlin ist – wie andere Metropolen auch – trotz aller unbestreitbar vorhandenen Säkularisierungstendenzen auch eine Stadt der Religionsvielfalt. „If God died in the cities of the industrial revolution, he has risen again in the postindustrial cities of the developing world”, behauptet M. Davis, einer der einflussreichsten Stadtforscher. Dabei erweist sich das Spannungsfeld von Religion und Urbanität als vielschichtiger und widersprüchlicher, als es noch vor wenigen Jahren schien. Gerade in den großen Städten, wo „profane“ Orte des Konsums und des Erlebens neben „sakralen“ Orten der Sinnstiftung koexistieren, wo identitätsbildende Museen und spektakuläre signature buildings eine neue, teils religiös konnotierte Topografie schaffen, müssen sich Religionen in der Auseinandersetzung mit einer vielgestaltigen und durchaus kontroversen Umgebung bewähren.

Die Werkwoche W7 befasst sich in religionswissenschaftlicher, -philosophischer, -phänomenologischer und -psychologischer Hinsicht mit den Herausforderungen, die das Phänomen der „Verstädterung“ für alle Religionsgemeinschaften darstellt. Neben der theoretischen Aufarbeitung sind auch Exkursionen und Begegnungen mit Judentum und Islam in Berlin, sowie anderen religiösen Akteuren und ihren „heiligen Orten“ im städtischen Umfeld vorgesehen.

Woche 8: Living together: Lebensformen und Gemeinschaftsbildung

Teil 1: 25.–27.01.2023
Teil 2: 28.–30.06.2023 

Religionen zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Mitglieder ihrem Glauben Form gegeben haben. Diese sind in der Regel gemeinschaftlich verfasst und auf Dauer gestellt. Das gilt auch und besonders für das „Christentum als Stil“ (Ch. Theobald SJ). In den Orden und Geistlichen Gemeinschaften haben sich im Laufe der Kirchengeschichte verschiedene christliche Lebensstile herausgebildet. Zugleich ist zu konstatieren, dass alle Lebensformen – ob religiös oder säkular – in stetigem Wandel begriffen sind, sich deshalb Krisen ausgesetzt sehen und zugleich sich lernend weiterentwickeln können (z.B. LGBTQIA+, sustainable und postcolonial communities, etc.).

Im Fokus der Werkwoche W8 stehen Vergemeinschaftungsprozesse. Die dafür notwendige spirituelle Ressource ist das Vertrauen, dass vielfach durch religiöse Wertüberzeugungen generiert, gestützt und gefördert wird.  In sozialwissenschaftlicher und kultur- bzw. mentalitätsgeschichtlicher, in philosophischer und theologischer Hinsicht werden der Wandel von individuellen und gemeinschaftlichen Lebensformen, wie auch alternative Formate des community-building in der Großstadt thematisiert. Diese Reflexion geschieht auf der Hintergrundfolie der entsprechenden historischen Entwicklung von Orden und Geistlichen Gemeinschaften und im Rahmen von Exposures im Dialog mit alten und neuen, in Berlin und Umgebung ansässigen Gemeinschaften und ihren Mitgliedern. Dabei wird auch der Abbruch solcher Lebensformen thematisiert.